Seytan [Türkei 1974]

Von Gom • March 15th, 2010 • Kategorie: Reviews, Türkei

  • Regie: Metin Erksan
  • Cast: Canan Perver, Cihan Ünal, Meral Taygun, Agâh Hün, Erol Amaç, Ekrem Gökkaya, Ali Taygun

Der Teufel schläft auch in Istanbul nicht, hat Besitz von der kleinen (und ziemlich hässlichen) Gul ergriffen und verwöhnt so deren Mutter angefangen vom schwebenden Bett, über anpinkeln, bis hin zum 180-Grad-Kopfdreher mit dem kompletten Besessenenprogramm. Nachdem alle Untersuchungen nichts zu Tage fördern und es mit dem Christentum in der Türkei nicht weit her ist wird nun Tugrul Bilge, seines Zeichens Psychologe und Autor wenig gelesener Bücher über allerlei okkulten Unfug, zu Rate gezogen. Erst pocht auch er auf eine medizinische Lösung des Problems, doch nachdem er von der diabolischen Gul vollgekotzt und auf Latein beflegelt wird scheint ihm ein Exorzismus gar keine so schlechte Idee mehr zu sein…

William Friedkins Original von 1973 wird wohl jeder Filmfan schon gesehen haben, somit ist es kaum notwendig über den Inhalt viele Worte zu verlieren. Anders als bei vielen türkischen Plagiaten dieser Periode handelt es sich bei diesem, von vielen Reviewern liebevoll als Turkish Exorcist betitelten, Film um Art islamisiertes Remake, anstatt eines eigenständigen Films. Die meisten Szenen wurden 1:1 übernommen, wobei jegliche christliche Symbolik entfernt bzw. durch ihr islamisches Gegenstück ersetzt wurde. Statt des Kruzifixes gibt es hier zum Beispiel einen Brieföffner mit Teufelskopf zwischen die Beine, was aber sicher auch nicht viel angenehmer ist. Auffällig ist auch die extrem entschärfte Sprache, so lutscht hier niemand „Schwänze in der Hölle“ und das schlimmste was dem dämonischen Schandmaul entfährt ist wohl das türkische Äquivalent zu alter Zauselbart, oder so. Wenn dann aber trotzdem Tugruls Mutter einmal sanft beschimpft wird, verliert der Kameramann vor Schreck gleich den Fokus.
Auch die SFX –Crew hat hier wahrlich einige Glanzleistungen vollbracht. Der legendäre Kopfdreher wird hier nicht etwa von einer Puppe vollführt, sondern Gul dreht sich als Ganzes hinter einem Dummy, was noch viel dümmer aussieht als es klingen mag. Auch die Schocktherapie scheint in der Türkei anders abzulaufen als in den meisten anderen Regionen der Welt, so bekommt Gul statt Stromstößen von kleinen Presslufthämmerchen links und rechts ein paar auf die Schläfen geknallt! So hat moderne Medizin auszusehen!

Trotz all dieser Albernheiten ist Seytan leider ein ziemlich langatmiges Stück Film geworden, dass natürlich in keiner Szene an seinen großen Bruder herankommt, noch den einfältigen Charme der meisten türkischen Rip-Offs besitzt.

Release Facts: Die US DVD ist Englisch untertitelt, sieht aber stark nach Bootleg aus, zumal hier sicher nicht für die Rechte der original Filmmusik von Mike Oldfield bezahlt wurde. Dafür haben es die Untertitel in sich: in kleinen Fußnoten zu den tatsächlichen Untertiteln macht sich der Autor über diverse dümmliche Dialoge lustig und verweist an einer Stelle sogar den Zuschauer darauf nach einem Ausdruck zu googeln. Schön.

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