Sunny (님은 먼곳에) [Süd Korea 2008]
Von Gom • November 20th, 2008 • Kategorie: Reviews, Süd Korea

- Regie: Lee Joon-Ik
- Cast: Soo-Ae, Jeong Jin-Yeong, Jeong Kyeong-Ho, Joo Jin-Mo, Sin Hyeon-Tak, Park Yoon-Ho
- Alternativtitel: You are in Far Away Nation
Obwohl ihr Mann Sang-Byoung eine Affäre hat und sie immer wieder zurückweist besucht die altmodische Soon-Yi ihn unter dem Druck ihrer Schwiegermutter alle zwei Wochen in der Kaserne, um einen männlichen Nachkommen für die Familie zu zeugen. Als Sang-Byoung von seiner Geliebten verlassen wird und im Zuge eines Streits einen anderen Soldaten schwer verletzt, hat er die Wahl ins Gefängnis oder nach Vietnam zu gehen. Ohne seine Mutter zu informieren entscheidet er sich für den Kriegseinsatz. Erst durch einen Brief erfährt sie von dem gefährlichen Entschluss ihres Sohnes. Um ihre Schwiegermutter von dem sinnlosen Vorhaben abzuhalten ihrem Sohn zu folgen, bleibt Soon-Yi keine andere Wahl als sich selbst nach Vietnam aufzumachen. Da es Zivilisten verboten ist ins Kriegsgebiet zu reisen bewirbt sie sich als Entertainerin für die Truppen, wird aber auf Grund ihrer naiven ländlichen Ausstrahlung sofort abgewiesen.
Auch der windige Johnny braucht, um seinen Gläubigern zu entkommen, eine Genehmigung mit seiner Band nach Vietnam reisen zu dürfen. Da gerade seine eigentliche Sängerin schwanger ist und keine Lust auf Krieg hat kommt ihm die unschuldige Soon-Yi gerade richtig.
In Saigon angekommen gestaltet sich die Suche nach Auftritten nicht gerade einfach. Dass Johnny so gut wie alle Klubbesitzer dort schon einmal betrogen hat macht die Sache nicht einfacher. Durch einen alten Bandkollegen bekommt er die Chance in einem US Camp aufzutreten, doch die schüchterne Soon-Yi, jetzt Sunny genannt, kommt mit amerikanischen Popsongs nicht klar und der Auftritt wird zu einem Desaster. Als letzter Ausweg bleibt ihnen ihr Glück bei den koreanischen Truppen zu versuchen und nach einigen Mühseligkeiten bekommen sie tatsächlich einen Auftritt. Schnell wird Sunny zum Star und reist von Auftritt zu Auftritt, immer in der Hoffnung endlich die Stadt, in der ihr Mann stationiert ist, zu kommen. Als während ihres Auftritts das koreanische Camp angegriffen wird fliehen sie im Chaos, werden aber kurz später von den Vietcong gefangen genommen…
Der Titel 님은 먼곳에 (ungefähr: Mein Geliebter ist in weiter Ferne) stammt von einem koreanischen Hitsong, der in den 60er Jahren sehr populär war, und so gibt auch hier wie in Regisseur Lee Joon-Iks Meisterwerk Radiostar, wenn auch in anderer Form, ein Song das zentrale Thema vor, und wie bei Radiostar spielt er nach den Regeln des Mainstreamfilms, ohne dabei aber den negativen Beigeschmack zu übernehmen, der dem Begriff sonst eigentlich anhaftet. Lee Joon-Iks Charaktere sind richtige Menschen und keine beliebig austauschbaren Schablonen. Man leidet und lacht mit ihnen, anstatt ihnen nur zuzusehen. Sogar bei der Darstellung der Vietcong verfällt er nicht der Versuchung dem typischen Klischees nachzugeben, und sie als blutrünstige Monster darzustellen. Im Krieg sind sie erbarmungslose Kämpfer, die aber anderseits ihre Gefangenen wie Menschen behandeln und sich um die Bildung und Zukunft ihres Lands sorgen. Von den Amerikanern werden sie auch unbewaffnet und ohne Gegenwehr wie Hunde abgeschlachtet. Ein mutiger Schritt, wenn man bedenkt, wie hysterisch in Südkorea noch heute mit dem Thema Kommunismus umgegangen wird.
Auch die Darsteller sind sorgfältig ausgewählt, und so lassen sich anstatt der typisch austauschbaren Soo-Ae überzeugt in ihrer Wandlung vom grauen Mäuschen Soon-Yi, zur selbstbewussten Sängerin auf ganzer Linie, auch wenn diese Wandlung natürlich im Rahmen von den zwei Stunden Laufzeit des Films etwas schnell geht. Jeong Jin-Yeong, der für Lee Joon-Ik schon in Hwangsanbeol (황산벌, 2003) und The King and the Clown (왕의 남자, 2005) vor der Kamera stand und Drehbuchautor Choi Seok-Hwan, der sich neben den beiden eben genannten Filmen auch für das Drehbuch vom grandiosen Radiostar (라디오 스타, 2006) verantwortlich zeichnet, haben sich schon beinahe als Stammcrew des Regisseurs etabliert.
Groß machen Lee Joon-Iks Film aber nicht die großartig inszenierten Kriegsszenen, oder Sunnys mitreißende Auftritte, sondern sein Talent in den kleinen, unspektakulären Szenen, ohne viele Bilder und beinahe schon beiläufig große Gefühle zu vermitteln. Die Szene gegen Ende des Films, in der Sunny bei ihrem zweiten Auftritt vor den US Soldaten ihr letztes bisschen Unschuld und Stolz verliert, gehört wohl zu den intensivsten und emotional schmerzhaftesten Momenten des modernen koreanischen Mainstreamkinos.








