Gom peeks behind the Scenes Part I: Unfälle und Umbesetzungen

Von Le Philipp & Gom • November 7th, 2008 • Kategorie: Gom's Pick, Specials

Auf einer Kinoleinwand im Jahr 1990: Eine handvoll Cowboys um den weltberühmten Delinquenten Billy the Kid durchreitet einen Pass. Man hält, es kommt zu einem Streitgespräch zwischen zweien der Reiter, da einer der beiden einen sich hier befindenden Indianerfriedhof durchqueren möchte. Der Streit scheint schnell beigelegt, man entschließt sich, den Friedhof zu umgehen. Plötzlich schwingt sich einer der Cowboys vom Pferd und beginnt, eines der Gräber zu öffnen. Ein zweiter springt vom Pferd und stürzt sich auf ihn. Ein dramatischer Messerkampf nimmt seinen Lauf, scheinbar von den anderen Gangmitgliedern toleriert. Einige Sekunden scheint es um Leben und Tod zu gehen. Auf einmal rammt der Grabschänder seinem Angreifer ein Jagdmesser durch den Unterarm. Erst jetzt, da er ob des Verlustes seines Messers zum Revolver greift, schreiten die anderen schlichtend ein.

Diese Szene aus Young Guns II war ein inszenierter Zweikampf zwischen Lou Diamond Phillips, der den indianischen Mexikaner Chavez spielte, und Christian Slater, dem Darsteller des Verbrechers Arkansas Dave Rudabaugh. Eine Szene, die offensichtlich die Tiefe des Bandes zwischen den sehr gegensätzlichen Mitgliedern darstellt, wurde allerdings aus einem produktionstechnisch sehr praktischen Grund eingebaut: Phillips war einige Wochen nach Drehbeginn beim Reiten vom Pferd gefallen und hatte sich den Unterarm gebrochen, woraufhin sogar eine 2 1/2stündige Operation notwendig war. Um seinen unbeweglichen Arm in die Geschichte einzubauen, erdachten sich die Autoren ebendiese Szene.

Und Diamond hatte noch Glück im Unglück. Als im Jahr 1989 Kim Basinger die Rolle der Vicky Vale im Tim Burton-Blockbuster Batman übernahm, waren die Dreharbeiten bereits in vollem Gange. Sie ersetzte Sean Young, die sich beim Dreh einer Reitszene mit Michael Keaten das Schlüsselbein brach, und in weiterer Folge die Rolle verlor, was, wie sie später sagte, einen einschneidenden Karriereknick für sie bedeutete. Ebenfalls während Dreharbeiten brach sich Viggo Mortensen einen Zeh. Allerdings blieb dies der Nachwelt erhalten: Während einer Szene in The Lord of the Rings: The Two Towers (Herr der Ringe: Die Zwei Türme) trat er aus Frust einen Ork-Helm beiseite, begleitet von einem verzweifelten Aufschrei. In Wirklichkeit war jedoch der Helm einfach stärker als Mortesens Fuß und der Aufschrei, obwohl sehr gut in die Szene passend, ein Ausdruck heftigen körperlichen Schmerzes.

Mortensen konnte dennoch weiterdrehen, wodurch er in einer weiteren Szene desselben Filmes beinahe ertrank. Dieser Vorfall ging allerdings glimpflich aus. Weitaus schlimmer kam es für Indiana Jones-Darsteller Harrison Ford während seines Einsatzes im Indiana Jones and the Temple of Doom (Indiana Jones und der Tempel des Todes). Als er in einer (geschnittenen) Szene gegen die Handlanger des Kalifen kämpfte, verletzte sich der Schauspieler am Rücken. Ein operativer Eingriff war notwendig und Ford fiel für mehrere Wochen aus. Für ihn übernahm sein Stuntman alle Szenen, in denen Indi weder mit dem Gesicht zu sehen noch zu hören war – also für einen nicht unwesentlich großen Teil des Filmes!

Großmeister aller Verletzungen ist jedoch Schauspiellegende Jackie Chan, der bekanntlich seine Stunts fast ausschließlich selbst dreht. Während es amüsant ist, die Outtakes (die meist nach den Filmen zu sehen sind) anzusehen, hat das für Chan teils recht unangenehme Auswirkungen. Es gibt beispielsweise kaum eine Versicherungsgesellschaft, die ihn unter Vertrag nehmen möchte. Und die wenigen, die er unterzeichnet hat, decken die Gefahren nur sehr oberflächlich ab. In The Armour of God (Der rechte Arm der Götter) erlitt er eine beinahe tödliche Verletzung am Kopf, als er von einem abbrechenden Ast auf einen Stein fiel.

Man sollte aber nicht meinen, dass ein solch halsbrecherisches Verhalten dem männlichem Geschlecht vorbehalten ist. Die gebürtige Malysierin Michelle Yeoh ist, als Star unzähliger Hong Kong Action Filme und in den letzten Jahren auch vermehrt in Hollywood tätig, wohl das weibliche Gegenstück zu Jackie Chan. Ausgerenkte Schultern, Verbrennungen und als Höhepunkt eine gerissene Arterie nach einem harten Kick in Magnificent Warriors (Dynamite Fighters) sind der Preis den sie für ihre spektakulären Stunts bezahlen musste.

Dass die wilden Tage des Asia-Kinos noch lange nicht vorbei sind musste die Koreanerin Shin Eun-Kyung am eigenen Leib erfahren, als ihr bei den Dreharbeiten zu ihrem Boxoffice Hit My Wife is a Gangster Holzsplitter eines berstenden Baseballsschlägers das linke Augenlicht gekostet haben.

Anders erging es hingegen Vic Morrow der mit zwei Kindern, die als Statisten agierten, während des Drehs von Twilight Zone: The Movie vor einem Hubschrauber während des Vietnamkrieges flüchten sollte. Wegen Pyrotechnischer Effekte verlor der Hubschrauberpilot die Kontrolle, enthauptete Morrow und eines der Kinder, während das zweite vom Hubschrauber regelrecht zerquetscht wurde. Dieser Vorfall war der Anstoß zu mehreren Gesetzen, die die Kinderarbeit in Hollywood unter stärkere Kontrolle stellte.

Der aber wohl bekannteste Todesfall vor laufender Kamera war unumstritten der Brandon Lees. Am Set von The Crow (The Crow – Die Krähe) war geplant, mit einer Platzpatrone auf Lee zu schießen. In einer zuvor gedrehten Nahaufnahme der Waffe wurde eine Patronenattrappe in den Lauf gegeben. Zu seinem Unglück hatte niemand bemerkt, dass dieses von niemandem entfernt wurde. Die Platzpatrone hatte genug Kraft, um die Attrappe so sehr zu beschleunigen, dass der Schauspieler von ihr tödlich niedergestreckt wurde. Der Film konnte dank der damals immer besser werdenden CGI fertig gestellt werden. Brandon Lees Tod wurde aber – wie bereits der seines Vaters Bruce Lee – Thema vieler bisher unbestätigter Konspirationstheorien.

Aber auch indirekt können Filme Leben zerstören bzw. sogar kosten. So nahm sich die junge koreanische Schauspielerin Lee Eun-Joo nur Tage nach ihrem Universitätsabschluss das Leben, weil sie mit den Nacktszenen (zu denen sie sich laut eigenen Angaben nur wegen Geldproblemen überreden lies) ihres letzten Films The Scarlet Letter nicht klar kam. Auch soll es deswegen Familienstreitigkeiten gegeben haben.

Um den Selbstmord von Hong Kong Superstar Leslie Cheung wird bis heute wild spekuliert, dass er sich aber wie in seinem letzten Film Inner Senses, wo er einen Psychater spielt, der sich wegen Depressionen von einem Hochhaus stürzt, tatsächlich vom Dach des Mandarin Oriental Hotels geworfen hatte jagt einem schon einen kalten Schauer über den Rücken, zumal man in der Filmszene eine traumhafte Todessehnsucht sehen kann, die nicht sicher nur gespielt war.

Gelegentlich kommt es auch vor, dass Schauspieler aus ganz anderen Gründen zwischen den Dreharbeiten sterben, und so die Vollendung des Werkes nicht mehr miterleben oder gar Produktionspläne durcheinander bringen. Jüngst geschehen mit dem Newcomer Heath Ledger, der seine Szenen als Joker für The Dark Knight bereits abgeschlossen hatte. Auch in der Verfilmung von Harry Potter musste ab dem dritten Teil auf einen neuen Darsteller des Professor Dumbledore zurückgegriffen werden. Richard Harris, der in den ersten beiden Teilen diesen Part übernahm, wurde abgelöst von Michael Gambon.

Wagt man sich ein paar Schritte von den Fakten weg und kostet aus der brodelnden Gerüchteküche, so lässt sich auch hier etwas ausgraben. Die auffällige Todesserie, die nach der Poltergeist-Trilogie unter anderem den Hauptdarstellerinnen Heather O`Rourke (ermordet von ihrem Freund) und Dominique Dunne (Blutvergiftung) zum Opfer fielen, wird oft einem auf dem Film lastenden Fluch zugeschrieben.

Zu guter Letzt soll in dieser Auflistung die spektakulärste Neubesetzung nicht fehlen. Bela Lugosi spielte im B-Movie Plan 9 from Outer Space einige Szenen, als das Script in Ed Wood-Manier noch gar nicht fertig vorlag. Die Drehbuchautoren schrieben das Buch so um, dass all seine abgedrehten Szenen verwendet werden konnten. Tom Mason, der auffällig größer war, übernahm den Part – stets mit einem Cape das Gesicht verhüllend.

Unfälle passieren, und davor sind auch die bestens organisierten Hollywood-Filme nicht gefeit. Verletzte Stuntmen kommen recht häufig vor, Schauspieler trifft es selten und noch weniger oft sterben sie am Set. Zum Abschluss sei noch gesagt, dass manche Unfälle, sofern sie glimpflich ausgehen, auch amüsant sein können. Beim berühmten Absturz des Helikopters in Attack of the Killer Tomatoes (Angriff der Killertomaten) konnten sich alle an Bord befindlichen Personen retten und das Wrack sowie die Aufnahmen des Unfalls wurden Teil des Films. Einziges Opfer war hier das Filmbudget: Der Unfall machte letzten Endes die Hälfte der Gesamtkosten des Filmes aus, und wurde so auf seine eigene Art legendär.

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