All Night Long [Japan 1992]

Von Gom • May 29th, 2008 • Kategorie: Japan, Reviews

  • Regie: Katsuya Matsumura
  • Cast: Eisuke Tsunoda, Ryôsuke Suzuki, Yôji Ietomi, Hiromasa Taguchi

Die drei Teenager Shinji Saito, Kensuke Suzuki und Tetsuya Tanaka treffen zum ersten mal aufeinander, als sie an einem Bahnübergang Zeugen eines brutalen Mordes werden. Obwohl die drei unterschiedlicher nicht sein könnten schafft dieses Ereignis eine Eigenartige Bindung zwischen ihnen. Als einer der Jungen von seinem Date zutiefst gedemütigt wird, der zweite sein Mädchen an einen Konkurrenten verliert und die Freundin des dritten von einer Gang vergewaltigt wird, beschließen sich blutige Rache zu nehmen…

Was bringt nach außen hin normale Jugendliche zum Austicken? Dieser heiklen Frage widmet sich Katsuya Matsumura in allen Teilen seiner All Night Long Trilogie. Einsamkeit, das Fehlen von Vorbildern und Liebe – den Protagonisten fehlen Ziele und ein gefestigter Platz in der Gesellschaft. Durch die Auswahl Dreier völlig verschiedener Charaktere zeigt Matsumura, dass die Veranlagung zum Amoklauf durchaus nicht nur in einer bestimmten Bevölkerungsschicht vorhanden ist. Shinji ist ein normaler Schüler, Kensuke ein arbeitsloser Sohn reicher Eltern und Tetsuya ein hochintelligenter Nerd. Unter normalen Umständen wären die drei wohl kaum Freunde geworden, aber dieses gemeinsame Herausgerissenwerden aus dem normalen Alltag, aus der heilen Welt, schweißt sie zusammen. Zusätzlich fehlt allen dreien eine Bezugsperson; an wen wenden wenn etwas schief läuft? Enttäuscht, hilflos und ohne Vertrauen in eine Gesellschaft, die so etwas zulässt, wählen sie den einzigen, für sie logischen Ausweg. Auge um Auge…
Was uns Matsumura hier filmisch zumutet, ist ein visueller Schlag in die Magengrube. Mit minimalistischem Soundtrack wird im Dokumentarstil schmutzige, realistische Gewalt gezeigt. Der Gorepegel ist zwar längst nicht so hoch wie in den beiden Nachfolgefilmen, doch fehlt eine gewisse Ästhetik bzw. das comichafte Übertreiben, das den meisten Gorefilmen anhaftet. Wer einen festen Magen hat und willens ist sich wirklich auf künstlerischer Ebene mit diesem Thema auseinanderzusetzen wird an All Night Long kaum vorbeikommen, alle anderen seien gewarnt.

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