Nintendo und der Anfang der Movie-Franchise-Videogames
Von Le Philipp • April 17th, 2008 • Kategorie: Gom's Pick, SpecialsDer Film und das Spiel
Spider-Man 1-3, Batman Begins, TMNT, Lord of the Rings, The Simpsons, The Godfather, Star Wars, Transformers….
Wer meint, hier eine illustre Runde von Blockbustern zu erkennen, der hat natürlich recht. Dennoch haben diese Filme etwas gemeinsam, das, wenn es hier erwähnt wird, auf wenig Überraschung stoßen wird: Es sind auch allesamt “Videospiel zum Film”! Es sei hier in den Raum gestellt, ob die Spiele mit den Bluckbustern an Unterhaltungswert mithalten können, aber zumindest wird von modernen Filmen erwartet, auf der Konsole weitererlebt werden zu können. Als bestes Beispiel aus der aktuellen Presse kann das Fehlen einer Umsetzung des unter Trekkern/Trekkies hoch erwarteten Star Trek XI angeführt werden, das dem einen oder anderen Fan nur schwer zu vermitteln war. So selbstverständlich diese Erwartungshaltung heutzutage ist, so sehr mutet es uns merkwürdig an, dass diese Praxis der Merchandising-Auswertung verhältnismäßig jung ist. Schließlich hat sich das Kino erst seit den 70er-Jahren von der reinen 90minütigen Beriselungsunterhaltung zur alle Lebensbereiche “unterwandernden” Franchisemaschine entwickelt. Es war auch in dieser Dekade, als solche Wörter wie “Blockbuster” Einzug in die Popkultur hielten.
Aber nicht nur die Filmindustrie wurde von den 70ern geprägt, vor allem der Computer lernte technisch das Laufen, und nachdem auch hart arbeitende Studenten nicht auf Vergnügen verzichten wollten, kamen mit immer neueren Systemen auch immer mehr - zunächst sehr einfach gestaltete - Spiele auf den Markt. Es dauerte nicht lange, und der Markt war überschwemmt mit Heimcomputern, die es vor allem darauf abgesehen hatten, den ordinären Haushalten Zugang zu ihren kämpfenden, schießenden, quirligen Pixel zu ermöglichen. Ende der 70er und Anfang der 80er jedoch kam die große Rezession. Die Anbieter hatten sich in ihrem Kampf um Marktanteile so extrem bekämpft, dass der Markt geradewegs kollabierte.
Die Revolution: Der NES
Es war schließlich am Höhepunkt der Krise, in der Nintendo, eine japanische Firma die seit 1889 vor allem Spielkarten und Trading Cards herstellte, die die Flucht nach vorne wagte. 1983 erschien der erste Famicom (Family Computer) auf dem japanischen Markt, der dann ab 1985 unter dem Namen “Nintendeo Entertainment System” oder kurz “NES” den Siegeszug der Konsolen weltweit einleiten sollte!
Nintendo setzte dabei auf ein relativ neues Konzept: Der NES hatte weder äußerlich noch technisch etwas mit den Computern seiner Zeit zu tun.
Es war ein Gerät das ausschließlich dazu gedacht war, Spiele zu spielen, die exklusiv für den NES produziert wurden. Raubkopien waren dank der Spiele-Kartuschen schwer zu produzieren und Nintendo setzte auf die Politik der familiengerechten qualitativ geprüften Spiele. Zusätzlich konnte für das 8-Bit-System bereits auf einige populäre Videospiele-Charaktere zurückgreifen, die für andere Computer bzw. für Spieleautomaten bereits umgesetzt waren: Mario & Luigi, Donkey Kong und Prinzessin Peach (obwohl teilweise noch nicht unter ihren heute bekannten Namen angeführt). Diese Faktoren ließen den NES binnen kürzester Zeit und für viele Jahre zum unumstrittenen Marktführer werden, der danach erst vom hauseigenen Super-NES abeglöst wurde. Spiele wie Super Mario Brothers, Donkey Kong, Zelda, Metal Gear, Final Fantasy, Bomber Man, Bubble Bobble, Castlevania, Mega Man, Double Dragon, Tetris etc. haben im NES ihr Sprungbrett in die Popkultur gefunden!
Ein Stück Leinwand für den NES
Der Blockbuster und die Videospiele-Konsole: Zwei Entwicklungen, die zufällig zum gleichen Zeitpunkt stattfanden und unweigerlich ihre Wege kreuzen mussten. Es war wohl Star Wars, der als erster Film eine so unglaublich erfolgreiche Franchise-Kampagne nach sich zog, dass die Studiobosse erkannten, dass ein Film nicht unbedingt aus sein musste, wenn das Licht im Saal wieder anging. Die Zuschauer wollte in die Haut ihrer Helden schlüpfen, und was war wohl besser geeignet, als ein interaktives Spiel, in dem die Bösewichte persönlich aufzutreten schienen? Ab der zweiten Hälfte der 80er schließlich kam es immer mehr zu Veröffentlichungen von Spielfilmen im Videospiel-Format:
Dies ist ein nicht vollständiger Auszug aus den erschienenen Titeln. Erwähnenswert sind die mit den Jahren immer häufigeren synchron zum Spielfilm erscheinenden Games.
Außerdem fällt auf, dass vor allem Action- und Zeichentrickfilme hier zu finden sind. Horrorfilme haben im NES wenig verloren, dank der familienfreundlichen Politik des Herstellers Nintendo. Erst Anfang der 90er wurde dieses Grundprinzip aufgelockert, als Nintendo sich mit immer größeren Gewalthunger der Konsumenten konfrontiert sah und weiters mit dem Verlust von Marktanteilen (hierfür möchte ich allen SNES-Spielern den Vergleich des ersten Mortal Kombat mit anderen Konsolen nahelegen.) Doch für den NES selbst war dies schon nicht mehr relevant: 1995 gab Nintendo of America offiziell bekannt, keine weiteren Marktziele für den NES verfolgen zu wollen. In Europa erschien das letzte Spiel 1996. Nur in Japan wurden noch bis 2003 Spiele für die damals schon löngst veraltete Konsole produziert.
Das Erbe
Auch wenn die Spiele selbst heute teilweise unspielbar veraltet scheinen, hat der NES das Selbstverständnis der Konnektivität Leinwand-Videospiel in die Köpfe der Menschen verankert. Interessanterweise erinnert sich heutzutage kaum jemand an irgendeine Spieleumsetzung. Aber auch das hat sich heutzutage kaum verändert. Wer wird in 10 Jahren den Begriff “Herr der Ringe” hören und ad hoc an die vielen Videospiele denken?
Ein paar kleine Beispiele nintendoscher Versoftung:
Friday the 13th (Freitag der 13.)
Ein wenig bekanntes Spiel, das gleich auf mehreren Ebenen gegen die Family-Regeln von Nintendo verstößt, ist Friday the 13th. Ähnlich wie Castlevania läuft man hier im Camp Crytal Lake herum, um Feuer in den Kaminen der Baracken zu legen. Verfolgt wird man hier von Zombies, die aus der Erde auftauchen, sowie ein paar Wölfen und Fledermäusen. Alles in allem ein sehr einfach gehaltenes Game, das spielerisch auch dem damaligen Stand nicht entspricht. Interessant ist allerdings der (ich nenn’s mal so) Chold-O-Meter. Je langsamer man ist, umso mehr Kinder werden von Jason geschnappt, der selbst allerdings recht wenig im Spiel auftaucht. Ebenfalls auffällig nicht NES konform ist der Game Over-Screen der die unverblümte Wahrheit ans Tageslicht bringt: You and your friends are dead!



Attack of the Killer Tomatoes (Angriff der Killertomaten)
Hierbei handelt es sich um die Umsetzung der kurzlebigen Fernsehserie, die inhaltlich größtenteils auf Teil 2 der Filmreihe basiert. Man schlüpft in die Rolle von Chad Finletter, dem Neffen des Helden der Filme. Es ist ein typisches Jump’n'Run der damaligen Zeit. Nebst der Einfachheit der Umsetzung auf dem NES war es wohl das leichte Einfügen von bekannten Charakteren in ein 08/15-Szenario. Und so verwundert es nicht, dass gerade eine Low-Budget-Produktion wie die Killertomaten mit nicht viel Besserem aufwarten können. Witzig sind allemal die Zwischensequenzen und die verschiedenen Killertomatengattungen.



A Nightmare on Elm Street
Wie bei Friday ist auch Nightmare ein recht einfaches Game mit wenig Besonderem außer den Charakteren. Man wandelt als Teenager durch die Welt, springt von einer Albtraumlandschaft in die nächste und begegnet des öfteren dem Antihelden himself Freddy Kruger. Der taucht relativ willkürlich auf, ansonsten bekämpft man diverse Spukgestalten wie Skellette, Fledermäuse, Schlangen und herabfallende Steine mit den Fäusten. Ein 4-Spieler-Modus steht zwar zur Verfügung, allerdings wurde der nicht getestet. Sehr schön ist auch die Energieleiste, die in “Zzzz” angegeben ist. Ansonsten hebt sich das Spiel ebenfalls nur durch den recht unverblümten Gewaltanteil hervor.



New Ghostbusters 2
Im Gegensatz zu den oben erwähnten Spielen ist New Ghostbusters 2 ein wirklich süchtig machendes Spiel. Es war in den letzten Jahren des NES, als man sich dafür entschied, dem zweiten Teil der Geisterjägersage ein spielerisches Denkmal zu setzen. Ein Versuch ging kläglich daneben (daher auch der Name “New”) und das Spiel zu Teil 1 entspricht wohl auch eher dem Prädikat “Halbherzig”. NGB2 ist kein Jump’n'Run, sondern - was auf der Konsole generell nicht so oft vorkommt - ein Rollenspiel, in dem man sich mit 2 Ghostbusters auf einer 2D-Oberfläche bewegt, um Geister zu erledigen, wobei einer schießt, und der andere die Falle wirft. An sich ist das Spiel recht leicht, erst durch die leichte Sterblichkeit des Hauptdarstellers, den man sich anfangs aussuchen kann, ist es oftmals ziemlich schnell vorbei. Dieses Spiel würde vermutlich heute noch als Handy-Game großen Anklang finden.














Toller Bericht, informativ! Weiter so!